Geldmacht China – Wie der Aufstieg des Yuan Euro und Dollar schwächt

Autor: Frank Sieren.
Erschienen im Carl Hanser Verlag, München, 2013.

Für den Westen nichts Neues

Im neu erschienen, sehr lesenswerten Buch “Geldmacht China” bringt der in Peking lebende China-Experte und Handelsblatt-Kolumnist Frank Sieren fast Unmögliches fertig: er verpackt ein volkswirtschaftliches Sujet in einen leicht lesbaren, stellenweise packenden Schreibstil, ohne daß sein Thema oder dessen Ernsthaftigkeit darunter leidet. Für an China Interessierte, für Genießer wirtschaftsgeschichtlicher Leckerbissen, für mit Außen- und Wirtschaftspolitik Befasste eine angenehme Pflichtlektüre, für “normale” Leser ein exzellentes Wirtschafts-Sachbuch.

Frank Sieren vermittelt uns in “Geldmacht China” die Geschichte des zur Weltwährung aufsteigenden chinesischen Yuan greifbar und relevant, ohne sich in VWL-Fachsprache zu ergehen. Dabei bringt er faszinierende historische und aktuelle Parallelen und kommentiert die derzeitige Euro-Währungskrise sowie politische Auswirkungen der Yuan-Erstarkung. Überraschend: ein Wirtschafts-Sachbuch ohne eine einzige Tabelle!

Seinen Weg nimmt der Autor über die Verdrängung des Silbers durch Gold als Währungsreserve und die Verdrängung des britischen Pfundes durch den US-Dollar als globale Leitwährung: “Der US-Dollar war nicht immer Weltwährung. Als er 1792 aus der Taufe gehoben wurde, (….) war (er) nichts anderes als eine schwache Kopie der damaligen Leitwährung, des spanischen Silberdollar. Dieser hatte sich auf der ganzen Welt verbreitet und war so wichtig, daß die Amerikaner ihre Münzen nicht nur vom Gewicht her an dem Silberdollar orientierten, sondern gleich einen Teil des Namens übernahmen” (Seite 77).

Frank Sieren beschreibt jedoch nicht nur die langfristigen Entwicklungen von Weltwährungen, sondern weist sehr lebendig immer wieder auf Parallelen hin: Auf- und Abstieg des britischen Pfundes als Leitwährung, Selbstüberschätzung Chinas und der USA, Finanzmarktkrisen 1997/98 in Asien und 2007/09 vorwiegend in den westlichen Ökonomien.

Schlußfolgerungen werden prägnant gezogen: “Die Asienkrise hatte viele Verlierer. (…) Der einzig echte Gewinner aber war China” (Seite 161).  “Peking hat aus seinen Fehlern der Vergangenheit gelernt. Washington noch nicht” (Seite 200).

Die Erkenntnis: viele der Entwicklungen, die für den Yuan und dessen relativem Erstarken zum US-Dollar und Euro vorhergesehen werden, sind Wiederholungen historischer Ereignisse im Westen, wie zum Beispiel die Schwächung des britischen Pfundes durch den US-Dollar nach dem ersten und zweiten Weltkrieg. Für uns im Westen also nichts Neues …. ?!

Das rund 280-seitige Buch liefert besonders interessante Aspekte, wenn der Autor hinweist auf Parallelen deutscher und chinesischer Wirtschaftspolitik, wie zum Beispiel: “Der niedrige Wechselkurs war eines der Geheimnisse des deutschen Wirtschaftswunders. Die Hilfestellung für die Deutschen war so überzeugend, daß die Chinesen 40 Jahre später ihre Währung ebenfalls künstlich niedrig bewerten würden….” (Seite 107).

Seine Schlußfolgerung ist umfassend begründet und macht nachdenklich: “Der Übergang vom Pfund zum Dollar hat über 30 Jahre gedauert. Das Ende des Prozesses scheint jedoch klar: ein starker, von Peking gesteuerter Yuan wird in einem Atemzug mit Dollar und Euro genannt werden, und er wird beide als meistbenutzte Zahlungsmittel auf der Welt ablösen” (Seite 171). “Zum ersten Mal kommt eine neue Weltwährung nicht mehr aus dem Westen…”. Ein mögliches dramatisches Ende — die Frage, ob der Yuan sogar das Zeug zur Leitwährung hat und damit den US-Dollar ersetzen könnte oder mit ihm zumindest gleichzieht — bleibt offen.

Ich empfehle Ihnen Frank Sierens Buch zur baldigen informativ-genüsslichen Lektüre.

 

 

 

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Ulrich LEHMANN

Ulrich LEHMANN

10 Berufsjahre in Private Equity & Consulting sowie mehr als 15 Jahre operative inter-nationale Tätigkeit in Führungspositionen. Seit 8 Jahren betätigt er sich als Executive Interim Manager erfolgreich bei Transformationen und im Change Management bzw. in CFO- & CEO-Positionen (Vakanzüberbrückung).


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