„Das Zugvogel-Prinzip“: Change Management mit „Schwarmintelligenz“

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Buchrezension von “Change Management: Das Zugvogel-Prinzip” von Dr. Dietmar Straub, Dr. Frank Kuhnecke und Torsten Kirchmann, erschienen 2013 im Carl Hanser Verlag, München. Hardcover mit rd. 270 Seiten sowie “E-Book inside”.

Wie und wo Sie — im Geschäftsalltag oder insbesondere bei Veränderungsbedarfen – „Schwarmintelligenz“ einsetzen können, dafür gibt Ihnen dieses exzellente Buch nützliche Perspektiven und Werkzeuge an die Hand.  “Wenn es darauf ankommt, wenn es ab in den Süden geht oder wieder zurück in den Norden, dann werden aus individuellen Vögeln Schwärme, denn nur gemeinsam kann das ferne Ziel erreicht werden.”

Ein exzellentes Buch für Interim Manager, „Change Management“-Berater und ganz generell jede Führungskraft oder Unternehmensleitung, die in ihrem Zuständigkeitsbereich Veränderungen erfolgreich bewirken will. Und dabei nicht lediglich ein Fachbuch für Experten in speziellen Situationen, sondern ein Management-Buch, das Augen öffnet und Tools vermittelt, damit Probleme richtig & vollständig erkannt und gewünschte Veränderungsprozesse erfolgreich bewerkstelligt werden — also sehr vielfältig einsetzbar!

Ich lernte zwei der genannten Autoren im Rahmen einer Präsentation ihrer im Buch ausführlich beschriebenen Ansätze kennen und fand mich hier mit den typischen „Change Management“-Themen meiner Projekte/Mandate sofort wieder — und gewissermaßen auch durchschaut.

„Zugvögel wissen, wann es Zeit wird, in den Süden zu fliegen, können ein gemeinsames Ziel ansteuern und synchron auf die Umwelt reagieren. … Wenn es Herbst wird, sammeln sich die Zugvögel. … Sie fliegen gemeinsam auf, üben ihre Formation und landen.“ Das gut gewählte Bild der Zugvögel beschreibt eine Situation, in der, übertragen auf Menschen:

–          Viele Beteiligte ein anspruchsvolles Ziel verfolgen

–          Zusammenarbeit (in effektiver Weise) erforderlich ist, damit das Ziel erreicht wird

–          Nebenbedingungen wirken, welche die Zielerreichung erschweren

Ist dies also ein Buch, in dem es ums Durchsetzen geht? Soll einem möglichst zentralen Führungsstil, einem „Leitvogel“-Prinzip, das Wort geredet werden? Nein, ganz und gar nicht! „Das Zugvogel-Prinzip“ gibt dem Leser Erkennungsraster und Tools an die Hand, um, so wie es im Untertitel steht, „notwendige Veränderungen erkennen und gemeinsam umsetzen“ zu können.

 

Align the Arrows

Vielfältige Situationen erfordern, ja erzwingen geradezu Veränderung, doch häufig werden die angestrebten Ziel nicht oder nur ansatzweise erreicht. Sprichwörtlich ist, daß nur rd. ein Drittel aller Projekte erfolgreich abgeschlossen werden, ein weiteres Drittel erreicht die gesteckten Ziele lediglich teilweise, der Rest bleibt als Rohrkrepierer auf der Strecke.

Die Autoren legen überzeugend dar, wie u. a. durch besseres Alignment und Vermeidung der „Schweigefalle“, dem Omertà-Dilemma, bei den Beteiligten das Risiko des Scheiterns eines Projekts, also bei der Herbeiführung von Verändungen, gesenkt werden kann.

Wenn dies altbekannt ist, warum passiert es dann immer wieder? Ich habe als Projektleiter, Berater, Manager (auch a. i.) mit vielen der beschriebenen Problemsituationen zu tun, oft genug zu kämpfen, gehabt. Deshalb gefällt mir dieses Buch so gut – es bringt mir unmittelbar Nutzen in meiner Arbeit!

Zur Erkenntnis und für eine wirksame „Therapie“ legen die Autoren dafür neben einigen altbekannten auch neue Tools bereit. Insbesondere die ausführliche Behandlung des in vielen Organisationen wirkenden Omertà-Dilemma macht für mich einen Hauptnutzen dieses Buches aus. Dr. Straub und seine Mitautoren beschreiben hier einen weitverbreiteten Mechanismus, den ich in Projekten/Mandaten oft gefühlt oder geahnt habe, aber erst nach Lektüre des „Zugvogel-Prinzips“ wirklich diagnostizieren kann!

 

Nicht in die Schweigefalle tappen

Wenn die Omertà-Schweigefalle beseitigt ist und der Beteiligten-Verbund, in Analogie zum Vogelzug, nach erfolgreichem Alignment auf eine gemeinsame Projekt-Flugroute gegangen ist, stellt das Autorenteam weitere Werkzeuge und in Dienst:

–          „Dynamische Lücke“; Ziele sicher erreichen durch iterative und intelligente Anpassung von Ist an das Soll (und nicht umgekehrt)

–          „Schubvernichter“ erkennen und abschalten, um ein Scheitern auszuschließen und

den „Widerstandseisberg“ komplett abschmelzen (nicht nur das sichtbare Achtel)

–          „Härtegradlogik“: Ergebnisse kontinuierlich weiter festzurren

–          „Disziplin anstatt Perfektion“ – Probieren geht über Studieren, zumindest anfangs!

Mithilfe dieser Tools wird der Leser in die Lager versetzt, seine Ergebnislücken bzw. ganz generell quantifizierbare Soll-/Ist-Abweichungen bei den Hörnern zu packen und erfolgreich zu beseitigen.

In ihren ausführlichen, klar verständlichen Ausführungen geben die Autoren zudem eine Vielzahl wichtiger Tipps, beispielsweise um „Maßnahmensog“ zu erzeugen. Hierzu bringen sie ihre eigene sehr umfangreiche Erfahrung mit Veränderungsprozessen und in „Change Management“-Situationen und –Projekten ein. Dazu gehören: einfache Konzeptsätze, Fokus auf Befürworter von Veränderung (statt Rückzugsgefechten mit Opponenten), Auswahlregeln für Veränderungsteams, Mythenentlarvung, uvm.

Gelingt es so, Ziele genau oder sogar zu erreichen, dann hat der Begriff „Schwarmintelligenz“ eine neue Bedeutung gefunden!

 

Sofort einsetzbar, ein Buch mit gr0ßer Anwendungsbreite und validem Praxisbezug

Zusammenfassend sehe ich die wichtigsten Beiträge dieses Buches in der überzeugenden Thematisierung und Lösung des Omertà-Dilemmas sowie dem fundierten Plädoyer für die „dynamische Lücke“. Die Fallstudie „Tagebuch eines Ornithologen“ (Kapitel 11) ist besonders aufschlußreich und lädt mich, ich gebe es gerne zu, mindestens streckenweise zur Nachahmung ein. Den praktischen Nutzen schätze ich als hoch ein!

Die Lektüre kann – mithilfe der beim Hardcover dazugehörigen durchsuchbaren E-Book-Version – auch themen- oder schlagwortbezogen vorgenommen werden.

Ich möchte Ihnen daher „Das Zugvogel-Prinzip“ für die baldige Nutzung in Ihren Change-Projekten sehr empfehlen.

 

© 2014 by Ulrich Lehmann

 

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